Los geht’s – über Mumbai nach Sri Lanka
Am 29.07.2026 war es endlich so weit: Unsere Weltreise begann! Oma Gertrud brachte uns nach Neukirchen, von dort ging es mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen und von dort aus über den Wolken weiter nach Mumbai.
Der Nachtflug war allerdings eher eine kurze Nacht: Abendessen um 23 Uhr, Frühstück um 3 Uhr – viel Schlaf blieb da nicht. Beim Landeanflug auf Mumbai sahen wir direkt neben dem Flughafen riesige Slums. Die Kinder nannten die kleinen Behausungen spontan „Papphäuser mit Folie“. Ein Anblick, der uns tief berührte.
Mumbai empfing uns mit tropischer Hitze und Schwüle. Im Flughafen kämpften wir uns durch endlose Teppichgänge, während hupende Fahrzeuge kreuz und quer durch die Passagierbereiche fuhren. Nach einer kurzen Katzenwäsche suchten wir Frühstück – und entschieden uns angesichts der Fülle an unbekannten und für uns nicht klar definierbaren kulinarischen Angeboten kurzerhand für ein Subway-Baguette. Die Zubereitung brachte uns aus hygienischer Sicht deutlich an unsere Toleranzgrenze.
Nach drei Stunden im Transitbereich flogen wir weiter nach Sri Lanka (Bandaranaike International Airport). Nach der Organisation der SIM-Karten und Bargeld suchten wir uns einen Fahrer und machten uns auf den Weg nach Negombo. Unsere gebuchte Unterkunft existierte leider nicht, aber unser Fahrer organisierte spontan eine günstige Alternative für die ersten zwei Nächte.
Negombo war für uns nach der langen Anreise ein guter erster Stopp, um in Sri Lanka anzukommen und die Zeitumstellung zu bewältigen. Gleichzeitig empfing uns die Stadt mit ihrem städtischen Leben: laut, wuselig und stellenweise chaotisch. Wir erkundeten die Stadt mit dem Tuk-Tuk und machten am zweiten Tag eine schöne Mangroventour mit dem Boot, das Neo zeitweise steuern durfte. Gleichzeitig bekamen wir bereits einen ersten Eindruck von einem Thema, das uns auf der Reise durch Südostasien wahrscheinlich noch häufiger begegnen wird: Plastik und fehlende Müll- und Recyclingstrukturen. Nach unseren ersten zwei Tagen an der Südküste ging es schließlich weiter ins Landesinnere nach Sigiriya – mitten hinein in das unglaublich grüne Sri Lanka.
Sigiriya – grünes Sri Lanka und ein Sonnenaufgang über dem endlosen Grün der Baumkronen
In Sigiriya erwartete uns ein ganz anderes Sri Lanka: grün, üppig und entspannt. Neben Palmen wachsen hier die unterschiedlichsten Bäume und Pflanzen – und mittendrin thront der beeindruckende Lions Rock.
Am ersten Abend saßen wir in einem wunderschönen kleinen Lokal an Holztischen am See mit Blick auf den beeindruckenden Felsen. Wir waren allerdings mindestens genauso begeistert von den zahlreichen Äffchen, die mit ihren Kleinen über Bäume und Dächer turnten. Ein rundum schöner Abend zum Ankommen und Genießen.
Unsere Unterkunft war eine kleine Hütte mitten im Wald. Überall lagen Kokosnüsse, die der Guesthouse-Besitzer kurzerhand mit seiner großen Machete öffnete. Für die Kinder gab es frisches Kokoswasser und Kokosfleisch direkt aus der Nuss. Besonders Amelie liebte das Kokoswasser.
Überhaupt war Sigiriya wunderbar entspannt. In den kleinen Läden, die das Flair einer Hinterhofgarage haben, bekommt man das Nötigste, ansonsten wird frisch gekocht. Und das schmeckt fantastisch – allerdings braucht man Geduld. Hier wird nicht auf Vorrat gekocht, sondern erst, wenn bestellt wird – einfach lecker.
Am ersten Morgen klingelte um 4:15 Uhr der Wecker. Unser Ziel: der Pidurangala Rock, von dem aus man einen fantastischen Blick auf den Lions Rock hat. Im Dunkeln starteten wir den Aufstieg, für den wir eine Sportnote von mindestens befriedigend als Voraussetzung empfehlen. Vorbei an den Hunden und Äffchen, denen man hier überall begegnet, erreichten wir schließlich den Gipfel. Den wunderschönen Sonnenaufgang konnten wir hinter der Wolkendecke zumindest erahnen.
Auch ein Besuch im Minneriya Nationalpark durfte nicht fehlen. Bei einer Halbtagssafari in einem offenen Geländewagen sahen wir unter anderem zahlreiche wilde Elefanten und andere Tiere. Die Elefanten durften wir beim Fressen, beim Spielen und beim Sandbaden beobachten. Wir beobachteten Familienverbände und einzelne Bullen. Wir hatten das Gefühl, stille Beobachter zu sein und an ihrem Alltag teilhaben zu dürfen. Die Jeeps hielten Abstand und ließen den großartigen Tieren stets ihren Raum. Der Park war außerdem auffallend sauber – kein Plastik, kein Müll, einfach Natur. Für uns nach den bisherigen Erfahrungen eine echte Wohltat. Einer blieb uns an diesem Tag jedoch verborgen: Trotz der in Sri Lanka außergewöhnlich hohen Leopardendichte konnten wir diesen scheuen Jäger nicht erblicken.
Während unseres Aufenthalts in Sigiriya probierten wir uns kulinarisch weiter durch die sri-lankische Küche: Kottu, Roti, Dosa, Pol Sambol, Currys, frisches tropisches Obst – vieles unglaublich lecker. An das typisch sri-lankische Frühstück müssen wir uns jedoch noch gewöhnen – genau wie an den hiesigen Hygienestandard, speziell bei den sanitären Anlagen. Toilettenpapier als bekannte Alternative zu der hier üblichen „bum gun“ bleibt deshalb vorerst ein fester Bestandteil unseres Reisegepäcks.
Sigiriya war für uns eine wertvolle Erfahrung: Natur, Ruhe, Tiere, gutes Essen und ganz besondere Momente als Familie.
Weiter Richtung Ostküste – Tempel, Tauchen und ein ganz anderes Sri Lanka
Nach Sigiriya ging es für uns weiter Richtung Nordostküste, denn dort ist im August die beste Zeit für Meer, Strand und Tauchen (Südwestmonsun). Unsere Fahrt mit einem der vielen lokalen Fahrer war ein Erlebnis. Linksverkehr und maximal 70 km/h auf der Landstraße, wilde Elefanten, Affen, Hunde, Ziegen, Kühe und Büffel auf der Straße und dazu eine unglaublich flexible und intuitive Fahrweise aller Verkehrsteilnehmer. Die Hupe als in Sri Lanka absolut notwendiges Signal für „Achtung, ich komme!“, nicht als Ausdruck von Ungeduld oder Genervtheit, wie in unserer Heimat. Auch das werden wir in Deutschland definitiv vermissen.
Unterwegs besuchten wir den Rangiri-Dambulla Cave Temple, den berühmten Höhlentempel mit seinen fünf kunstvoll ausgestalteten Höhlen und dem großen goldenen Buddha. Für uns war es besonders schön, den Kindern die buddhistische Kultur näherzubringen, und gleichzeitig war es für Leonie eindrucksvoll, die besondere Atmosphäre in dem Tempel erleben zu dürfen.
Weiter ging es nach Trincomalee und schließlich nach Nilaveli. Dort erwartete uns genau das, weshalb wir an die Ostküste gekommen waren: warmes, ruhiges Meer und perfekte Bedingungen zum Schwimmen, und die Kinder sammelten ausdauernd Muscheln. Beim Schnorcheln wurde deutlich, dass sowohl der Klimawandel als auch unachtsame Besucher die Korallenriffe stark belasten. Zwischen bunten Fischen, Schildkröten, Oktopussen und farbenfrohen Korallen gab es leider auch sehr viele abgestorbene Korallenfelder.
Während Amelie und Neo badeten, spielten und Freunde fanden, machten wir Eltern abwechselnd Tauchgänge im offenen Meer und genossen die Stille, die Schwerelosigkeit und den faszinierenden Lebensraum. Den Abend ließen wir in Nilaveli immer mit einem leckeren Abendessen am Strand ausklingen – genau so hatten wir uns die Ostküste vorgestellt.
Besonders beeindruckend war für uns auch das Nebeneinander der verschiedenen Religionen. Buddhistische Tempel, hinduistische Schreine, Moscheen, christliche Kirchen und die Traditionen der indigenen Vedda gehören hier in Sri Lanka selbstverständlich zum Straßenbild. Im Alltag begegneten uns vielfältige religiöse Zeichen, Symbole, Figuren und Praktiken. Z. B. wurde morgens das Boot, das uns zum Tauchspot brachte, gesegnet.
Am Nachmittag des dritten Tages fuhren wir mit dem Tuk-Tuk nach Trincomalee, um den Koneswaram Kovil Tempel zu besuchen, einen bedeutenden Hindu-Tempel hoch oben auf dem Swami Rock über dem Meer. Dort durften wir einer Zeremonie beiwohnen – Feuer, Räucherwerk, laute Musik, bunte Gaben und viele Gläubige: ein völlig neuer und faszinierender Einblick.
Wir fühlen uns in diesem Land bisher sehr wohl. Die Menschen sind freundlich, unaufdringlich, hilfsbereit und erstaunlich improvisationsfähig. Uns wird immer bewusster, wie groß der Unterschied zwischen unserem Leben und dem vieler Menschen hier ist. Die Großfamilien halten hier sehr eng zusammen und unterstützen sich auf allen Ebenen gegenseitig. Die Menschen in der Tourismusbranche, meist Männer, arbeiten extrem lange für vergleichsweise wenig Geld. Viele Menschen arbeiten in der Ferne, um Geld für die Familie zu generieren. Das Leben der Menschen ist noch viel stärker auf Selbstversorgung ausgerichtet. Durch das tropische Klima und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem können vielerorts das ganze Jahr unterschiedliche Lebensmittel angebaut werden.
Ein gutes Beispiel für die Offenheit und Unkompliziertheit ist auch, dass Neo morgens fragte, ob er hinter der Theke der Strandbar in Nilaveli mitbedienen dürfe. Die Antwort war „Okay, my friend.“ – nach acht Stunden und einem selbst verdienten Abendessen als Lohn war es für Neo klar, dass er auch die nächsten zwei Tage mithelfen würde. Hände, Gesten und ein paar Brocken Englisch reichten aus – er war mit seinen elf Jahren ein anerkannter Teil des Teams.
Nach acht Nächten an der Nordostküste waren wir um viele besondere Eindrücke reicher und schon etwas brauner.
Kalkudah und Pasikuda - Kontraste an der Ostküste
Nach unseren Tauchtagen ging es mit dem nächsten Fahrer weiter Richtung Kalkudah/Pasikuda. Die Küste dort war extrem unterschiedlich. In der einen Bucht weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und ein Meer, das so warm und ruhig war, dass die Kinder problemlos stundenlang darin schwimmen konnten. In der nächsten Bucht extreme Wellen und Strömungen.
In Kalkudah, wo wir unsere Unterkunft hatten, erlebten wir Sri Lanka noch einmal sehr ursprünglich und einfach. Es war für uns erkennbar, dass den Menschen wenig Kapital für ihr tägliches Leben zur Verfügung steht (Durchschnitt bei 120–180 Euro pro Monat). Gerade diese Region war vom Bürgerkrieg zwischen der Regierung und LTTE (1983 bis 2009), dem Tsunami (26. Dezember 2004) und einer schweren Wirtschaftskrise (ab 2022) mit Lebensmittel- und Treibstoffknappheit, Inflation und einem Staatsbankrott stark betroffen.
Und dann … dann pendelten wir eine Bucht weiter nach Pasikuda und machten eine interessante Erfahrung. Dort gab es plötzlich große, schicke Hotelanlagen und Preise, die einen Kilometer entfernt undenkbar wären. Wir wählten dort zum Mittagessen ein für uns außergewöhnlich teures Fünf-Sterne-Resort. Für uns wurde dadurch erfahrbar, wie nah zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten nebeneinanderliegen können. Luxus auf der einen Seite, einfache Häuser und Lebensbedingungen auf der anderen. Das Resort kam uns steril und elegant vor. Wir stellten uns jedoch die Frage, wie viel die Gäste dieser hochpreisigen Resorts tatsächlich von Sri Lanka mitnehmen würden. Die Bucht wirkte wie eine eigene, überall auf der Welt wiederholbare, wunderschöne Kulisse, ohne jegliche landestypische Identität.
Neben Reiseerfahrungen wie dieser, die uns ständig zum Fragen, Nachdenken und Recherchieren einladen, unterrichten wir Amelie und Neo seit dem 10. August täglich formal in den Hauptfächern. Doch 90 Minuten Lernen und Lehren fühlen sich erstaunlich kurz an, wenn wir und die Kinder Spaß daran haben. Wir beobachten auch oft die sri-lankischen Schülerinnen und Schüler in ihren Uniformen, die zum Straßenbild gehören, und sind beeindruckt, wie viel Wert in diesem wirtschaftlich belasteten Land auf Bildung gelegt wird. Die Jugendalphabetisierungsrate liegt in diesem Land bei rund 99 Prozent, und die Schulpflicht reicht grundsätzlich vom fünften bis zum 16. Lebensjahr. Es ist kostenlose Bildung von der Grundschule bis zum ersten Hochschulabschluss vorgesehen. Vielleicht erhalten wir in den nächsten Tagen die Möglichkeit, mehr über die Bildung in Sri Lanka zu erfahren.
Nach drei Nächten hieß es für uns wieder Rucksäcke packen: Unsere nächste Station war Arugam Bay.
Weiter entlang der Ostküste nach Arugam Bay
Unsere Reise ging nun weiter Richtung Süden entlang der Ostküste bis nach Arugam Bay. Auch dabei merken wir wieder, dass unsere Fahrten selbst wertvolle Erfahrungen sind. Sie geben uns die Möglichkeit, verschiedene Landschaften zu erleben und Land und Leute zu beobachten. Zum Beispiel lag unsere Anreise nach Arugam Bay auf einem Freitag. Wir fuhren um die Mittagszeit durch die große Küstenstadt Kalmunai. Dort kamen wir an einer Moschee vorbei. Die Straße vor der Moschee war voller männlicher Muslime, die zum Freitagsgebet in das Gotteshaus strömten. Den Ruf des Muezzins über Lautsprecher vernahmen wir laut. Kaum fuhren wir 500 Meter weiter, bot sich ein ganz anderes Bild. Auf der Straße wurde es plötzlich still, eine Geisterstadt mit Straßenhunden und Kühen. Solchen Situationen folgen oft Fragen der Kinder und Recherchen.
Als wir schließlich in Arugam Bay ankamen, fanden wir uns wieder einmal mitten in einem ganz anderen Sri Lanka. Arugam Bay ist ein typischer Surferinnen- und Surferort – und wir fuhren in Arugam Bay über die erste richtige Touristenstraße unserer Reise. Plötzlich sahen wir mehr Westler als Einheimische auf den Straßen. Weniger Sarongs, dafür mehr Bikinis und Shorts. Cafés, kleine Restaurants, Massage-Salons, Tattoo-Studios, Souvenirläden – alles dicht an dicht, viel weniger improvisiert als das bisher Kennengelernte.
Nur ein paar Minuten außerhalb von Arugam Bay, fern vom Trubel, erreichten wir dann schließlich unsere Unterkunft. Nach den letzten Unterkünften mit gewissen hygienischen Herausforderungen (Stockflecken, Kakerlaken und andere Mitbewohner, millimeterdicker Schmierfilm auf den Armaturen, lose Klobrille etc.) gönnten wir uns in Arugam Bay etwas mehr Komfort und landeten in einem besseren Guesthouse.
Im Zusammenhang mit der Unterkunftsthematik möchten wir kurz auf einen wichtigen Aspekt eingehen. Wie viel Geld benötigt man, um in Sri Lanka zu reisen? Die Antwort hängt natürlich extrem stark von der Reiseart und den Bedürfnissen ab. Sri Lanka kann sehr günstig sein – ein Abendessen in einem Restaurant mit lokaler Küche kostet ca. 4–5 Euro pro Person. Eine Fahrt mit dem Tuk-Tuk ca. 0,40 Euro pro Kilometer und ein Familienzimmer für 4 Personen im Guesthouse/Homestay 18–50 Euro pro Nacht.
Aber zurück zum Surferparadies. Wir fanden in Arugam Bay tolle Wellen und viele tolle Buchten und Strände am warmen Meer. Die Kinder starteten ihren ersten Surfkurs, der sie sehr begeisterte. Leonie durfte endlich mit dem Leihboard in die Wellen – ein Sehnsuchtsmoment.
Wir blieben insgesamt sechs Nächte, erlebten dort unseren ersten warmen Regen und fuhren mit dem Tuk-Tuk zu unterschiedlichen Spots. Vielleicht ist einigen Lesern der Secret Beach oder der Baby Point ein Begriff. Wir waren außerdem am Elephant Rock und am Crocodile Rock unterwegs, durften wieder viele wilde Elefanten sehen und in einer Lagune sogar ein Mugger-Krokodil entdecken.
Das Schöne an der Gegend ist wieder, wie schnell sich ihr Charakter verändert. Der Hauptstrand ist belebt, voller Surferinnen, Surfer und Cafés. Fährt man aber nur ein Stück mit dem Tuk-Tuk raus, ist man plötzlich fast allein an endlosen Stränden oder mitten in Gegenden, in denen nur Locals leben. Bei Interesse ist es unglaublich leicht, hier dem Tourismus zu entkommen.
So verbrachten wir unsere Tage in Arugam Bay oft ähnlich – am Strand sitzend, in Strandbars Smoothies trinkend, Ne(o)ptun begeistert die Wellen bezwingend, Surfen lernend, Surfkünste bestaunend und die immer leckere Küche dieses besonderen Landes genießend.
Neben vielen verschiedenen Küstenabschnitten besuchten wir den buddhistischen Muhudu Maha Viharaya Tempel in Pottuvil. Leonie liebt es, etwas Zeit an diesen Orten zu verbringen … na gut, dann geht die Familie halt mit.
Nach sechs entspannten Tagen mit Meersalz im Haar verlassen wir die Küste und freuen uns auf das grüne und kühlere Hochland um Ella.
Ella – Tee, Tempel, Affenalarm und die Sache mit den Tuk-Tuks
Von Arugam Bay machten wir uns auf den Weg ins Hochland nach Ella. Für die rund 135 Kilometer brauchten wir mit unserem wieder exzellenten Fahrer dreieinhalb Stunden – was in Sri Lanka völlig normal ist.
Je höher wir kamen, desto kühler wurden die Temperaturen. Die Landschaft veränderte sich: grüne Bergketten, dichter Wald, unzählige Pflanzen und immer wieder kleine Häuser, die irgendwo zwischen den Bäumen an den Hängen auf Pfählen gebaut wurden. Unsere Unterkunft nahe Ella lag ebenfalls mitten im Grünen – ein kleines Häuschen auf Pfählen im Wald, dazu ein ausgesprochen netter Gastgeber und ein tolles Frühstück mit Blick auf die sattgrünen Berge.
Um uns von dort fortzubewegen, benötigten wir auch hier unsere liebgewonnenen Tuk-Tuks. Bislang hatten wir in Sri Lanka für deren Buchung häufig die PickMe-App genutzt. Das ist praktisch und vor allem günstig. Der Preis für die gewünschte Fahrt wird direkt in der App angezeigt und ist damit für den Fahrer grundsätzlich vorgegeben.
In Ella stellten wir allerdings fest, dass die lokalen Tuk-Tuk-Fahrer offenbar eine ziemlich gut funktionierende Gemeinschaft hatten. Sie hielten zusammen und schafften es dadurch erstaunlich erfolgreich, die App beziehungsweise deren günstige Preise auszuhebeln. „PickMe no – lokal driver price!“
Für uns bedeutete das: Alle Fahrten kosteten ungefähr das Doppelte.
Einerseits natürlich schon ärgerlich. Andererseits mussten wir zugeben, dass wir das Ganze auch irgendwie sympathisch fanden. PickMe drückt die Preise stark und gibt den Fahrern einen ziemlich engen preislichen Rahmen vor. Und wenn man bedenkt, wie günstig Dienstleistungen in Sri Lanka ohnehin sind, können wir durchaus nachvollziehen, dass die Fahrer versuchen, sich nicht dem Preisdiktat einer App zu unterwerfen. Chapeau …!
Leider sind wir nicht besonders gut im Verhandeln. Wir machen es ungern und haben keinerlei Strategien. Ella war deshalb eine gute Schule – wir mussten notgedrungen besser werden. Ohne Feilschen hätten wir für manche kurze Strecke Preise bezahlt, bei denen wir uns dann doch kurz gefragt hätten, ob wir inzwischen versehentlich in der Schweiz gelandet sind.
Und nun zu unseren Ausflügen. Natürlich durfte der Little Adam’s Peak nicht fehlen, ein beliebter Gipfel mit weitem Panoramablick. Der Aufstieg war gut machbar und oben wurden wir mit einer großartigen Aussicht über die grünen Bergketten belohnt.
Auch sehr lohnenswert war die kleine Wanderung zur Nine Arch Bridge. Wir liefen über einen kurzen, wunderschönen Natur-Trail und kamen schließlich an der berühmten Eisenbahnbrücke an. Und dann standen wir dort: grüne Berglandschaft, eine beeindruckende Steinbrücke und ein Zug, der langsam über die Gleise rollt. Ein Motiv, das man aus unzähligen Sri-Lanka-Fotos kennt. So richtig erschloss sich uns der Hype um dieses Motiv allerdings nicht. Viel mehr berührten uns die kleinen Dinge auf dem Weg zur Brücke: die unglaubliche Pflanzenvielfalt, die Blüten, das Licht, das durch die Baumkronen brach, und die vielen kleinen glitzernden Wasserläufe.
Als weiterer Ausflug darf in Ella der Besuch auf einer Teeplantage natürlich nicht fehlen. Tee wächst rund um Ella praktisch überall. Heute verbindet man Sri Lanka untrennbar mit Tee. Im 19. Jahrhundert war jedoch zunächst Kaffee die große Plantagenpflanze. Unter britischer Kolonialherrschaft wurde der Kaffeeanbau im Hochland massiv ausgebaut. Die Plantagen breiteten sich schnell aus und veränderten die Landschaft grundlegend. Doch 1869 tauchte die gefürchtete Kaffeerost-Krankheit auf, verursacht durch den Pilz Hemileia vastatrix. Innerhalb weniger Jahrzehnte brach die Kaffeeindustrie praktisch zusammen. Die Plantagenbesitzer suchten nach Alternativen – und fanden sie im Tee. 1867 begann James Taylor mit dem kommerziellen Teeanbau auf der Loolecondera-Plantage bei Kandy. Aus dem ehemaligen Kaffee-Land wurde nach und nach das Sri Lanka, das wir heute kennen: das Land des Ceylon Tea. Sri Lanka hieß schließlich bis 1972 noch Ceylon.
Wir suchten uns also eine kleine Bio-Teeplantage in der Nähe. Amelie und Neo waren sofort mit Begeisterung dabei. Rund 20 Minuten lang pflückten wir fleißig Teeblätter. Anschließend wurde uns gezeigt, wie aus den Blättern unterschiedliche Teesorten entstehen können – unter anderem weißer Tee, grüner Tee, schwarzer Tee und aromatisierter Tee.
Für die Kinder war das Ganze besonders spannend, weil auf diesen kleinen Biofarmen – im Gegensatz zu den riesigen Teefabriken – die Verarbeitung noch weitgehend von Hand und damit sehr schonend erfolgt. Besonders das Pflücken hatte es Amelie und Neo angetan: Immer zwei hellgrüne Blätter und die dazugehörige Knospe – „two leaves and a bud“. Wie anstrengend der tägliche Arbeitsalltag der Pflückerinnen und Pflücker tatsächlich ist, konnten wir den Kindern durch diesen kurzen Einblick allerdings nicht vermitteln.
Nach der Herstellung – Pflücken, Welken, Rollen, Oxidieren, Trocknen und Sortieren – kam der kulinarische Teil. Zum Tee bekamen wir neben den uns bereits bekannten deftigen Speisen verschiedene traditionelle sri-lankische Süßigkeiten serviert. Einige davon waren für unsere europäischen Geschmacksknospen ziemlich ungewohnt. Zum Beispiel Kalu Dodol: dunkelbraune, würfelförmige, klebrige Stücke aus Kokosmilch und Sirup. Es sieht ein bisschen aus, als hätte jemand einen Brownie sehr lange gekocht – und schmeckt tatsächlich intensiv karamellig und ein wenig rauchig. Dann gab es diese roten „Würmchen“: Pani Walalu beziehungsweise Udu Walalu. Dabei handelt es sich um ein frittiertes Gebäck, das anschließend in Sirup aus der Kitul-Palme getränkt wird. Außerdem bekamen wir wieder die dünnen Kokos-Crêpes, Pani Pol, die auch bei keinem sri-lankischen Frühstück bisher gefehlt hatten: süße Kokos-Pancakes, gefüllt mit einer Mischung aus Kokos, Kardamom und unraffiniertem Palmzucker.
Und die Tierwelt in Ella? Im Wald entdeckte Leonie ein neues Tier: eine Manguste. Ein eher schlankes, langgestrecktes Tier mit spitzer Schnauze, braunem Fell und einem langen, buschigen Schwanz. Sie wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus kleinem Fuchs und Marder. Und dann waren da wieder die Affen … Gleich in unserer ersten Nacht wurden wir von einer ziemlich großen Affenbande auf dem Dach unterhalten. Und mit „unterhalten“ meinen wir: Die Affen spielten, rannten herum, stritten sich und veranstalteten dabei einen Lärm, als hätten sie dort oben eine kleine WG gegründet, in der gerade die Hausordnung eskalierte. Wenigstens schliefen Neo und Amelie tief und fest.
In der zweiten Nacht gab es dann ein völlig anderes akustisches Erlebnis. Von unserem Fenster aus konnten wir auf dem Berg die mächtigen, beleuchteten Bauten des Mahamevnawa Buddhist Monastery sehen. Das noch relativ neue Kloster liegt auf einem Hügel bei Ella und ist für seine markante weiße Stupa und die Aussicht über die Berglandschaft bekannt. In dieser Nacht fanden dort offenbar über viele Stunden Gebete beziehungsweise Chantings statt. Die Mantras schallten vom Berg durch das gesamte Tal bis zu uns herüber. Es war schön. Gleichzeitig ziemlich laut. Und irgendwann vor allem eines: sehr, sehr wiederholend.
Und dann ist da noch der Ort Ella. Die Hauptstraße ist inzwischen eine typische Touristenstraße: Restaurants, Cafés, Souvenirläden. Gleichzeitig ist sie sehr landestypisch. Von vorne sind die Gebäude einigermaßen hübsch hergerichtet. Schaut man aber seitlich darauf, sieht man sehr häufig unfertige Gebäudeteile, Kabel und wilde Rohrleitungen. Es sind alles Gebäude, die vermutlich schon seit Jahren „fast fertig“ sind.
Das ist für uns zu einem ganz typischen Merkmal der aktuellen sri-lankischen Bauweise geworden. Sehr schade fanden wir, dass wir in Sri Lanka kaum noch die wunderschöne traditionelle Bauweise zu Gesicht bekamen: Lehmziegelwände, Holz und Dächer aus Palmblättern, die tief heruntergezogen sind. Diese „alte Architektur“ war keineswegs primitiv, sondern erstaunlich gut an das tropische Klima angepasst. Die „neue Architektur“ ist dagegen stark von westlichen Vorstellungen geprägt und für das tropische Klima nicht optimal.
Und genau das ist vielleicht die beste Zusammenfassung unseres Aufenthalts: Ella ist klein, touristisch, laut, an manchen Stellen ziemlich improvisiert und beim Tuk-Tuk-Preis nicht gerade zimperlich. Aber gleichzeitig ist es grün, lebendig, wunderschön, lecker, unglaublich abwechslungsreich – und irgendwie genau deshalb ein Ort, an den wir uns sehr gerne zurückerinnern werden.
Eine besondere Zugfahrt und die Stadt Kandy
Von Ella aus machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Kandy – zumindest war das unser Plan. Leider war die Bahnstrecke durch das Hochland Ende November 2025 durch den Zyklon Ditwah und die anschließenden starken Regenfälle an zahlreichen Stellen schwer beschädigt worden. Der besonders schöne Abschnitt zwischen Ella und Nanu Oya war zum Glück inzwischen wieder befahrbar. Also hieß es für uns: Zug bis Nanu Oya – und danach auf der Straße weiter bis nach Kandy.
Unser Zug schlängelte sich durch das Hochland, vorbei an tiefen Tälern, grünen Berghängen und endlosen Teeplantagen. Immer wieder öffneten sich fantastische Ausblicke über die Landschaft. Und weil in Sri Lanka in den Zügen Türen und Fenster weit geöffnet sind, bekommt man das Ganze nicht nur zu sehen, sondern auch hautnah zu spüren. Unsere Kinder nutzten diese Möglichkeit konsequent aus. Amelie und Neo verbrachten einen großen Teil der Fahrt damit, aus dem Fenster zu schauen, den Kopf in den Fahrtwind zu halten und gespannt nach vorne zu sehen. Man hätte meinen können, sie erwarteten hinter jeder Kurve eine neue Attraktion. Tatsächlich war die Landschaft aber auch einfach zu schön, um sie nur durch eine Fensterscheibe zu betrachten.
Je höher wir kamen, desto stärker veränderte sich das Landschaftsbild. Rund um Nanu Oya fiel uns besonders auf, wie intensiv hier Gemüse angebaut wird. Die großen Teeplantagen wichen teilweise kleineren, terrassierten Gemüsefeldern, die sich wie grüne Treppen über die Berghänge zogen. Dazwischen lagen viele kleine, deutlich erhöhte Beete. Diese Art des Anbaus hat einen guten Grund: In Sri Lankas Hochland fällt gerade während der Regenzeit sehr viel Wasser. Die Terrassen und erhöhten Beete helfen dabei, überschüssiges Wasser abzuleiten, die Pflanzenwurzeln vor Staunässe zu schützen und gleichzeitig zu verhindern, dass die fruchtbare Erde einfach den Hang hinuntergespült wird. So wird aus einem eigentlich ziemlich schwierigen Gelände wertvolles Ackerland.
Im Zug selbst war ordentlich was los. Überall saßen Reisende, Rucksäcke stapelten sich, Menschen unterhielten sich und immer wieder kam man mit anderen Reisenden ins Gespräch. Unter ihnen war auch eine deutsche Familie aus München mit vier Kindern. Sie waren erst seit wenigen Tagen in Sri Lanka und reisten, wie viele Reisegruppen, mit einem eigenen privaten Fahrer. Für diesen Abschnitt ihrer Reise hatten sie ihren Fahrer alleine weiterfahren lassen und waren in den Zug gestiegen. Wir unterhielten uns eine ganze Weile und sie erzählten uns von ihren ersten Eindrücken. Sie sprachen über den vielen Müll, die unfertigen Wellblechhäuser und all die Dinge, die einem als Europäer zunächst auffallen und irritieren. Während sie erzählten, bemerkten wir, wie sehr sich unser eigener Blick auf Sri Lanka in diesen vier Wochen bereits verändert hatte.
Auch uns hatten zu Beginn der Müll, die einfachen Behausungen, die chaotisch wirkenden Straßen, die Unordnung und die fehlende Sauberkeit oft beschäftigt. Doch je länger wir hier waren, desto mehr verstanden wir die Zusammenhänge. Wir lernten Menschen kennen, erlebten ihre Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Lebensfreude. Wir sahen wunderschöne Landschaften, lernten etwas über Religionen und Traditionen und durften immer wieder erleben, wie herzlich uns Fremde begegneten.
Uns wurde in diesem Gespräch bewusst, dass sich unsere Perspektive verändert hatte. Wir nahmen nun nicht mehr nur das wahr, was uns fremd oder problematisch erschien. Unsere Aufmerksamkeit richtete sich zunehmend auf das Schöne, das Gute und das Besondere in diesem Land.
Angekommen in Nanu Oya, ging es mit einem am Bahnhof organisierten Fahrer weiter nach Kandy. Unterwegs machten wir natürlich wieder das, was wir mittlerweile perfektioniert hatten: Mittagessen vom Straßenrand. Mango, Ananas, Melone, Passionsfrucht – frisch, süß, unglaublich lecker, gesund und günstig. Wenn es einen Wettbewerb für das beste Reise-Mittagessen gäbe, hätte diese Kombination sehr gute Chancen.
In Kandy angekommen, merkten wir ziemlich schnell, dass hier etwas Bedeutendes im Gange war. Die Stadt befand sich mitten in der Kandy Esala Perahera, einem der wichtigsten buddhistischen Feste Sri Lankas. Das zehntägige Fest findet rund um den berühmten Zahntempel, den Sri Dalada Maligawa, statt und ehrt die heilige Zahnreliquie Buddhas. Tagsüber strömten unzählige Menschen Richtung Zentrum. Je später der Nachmittag wurde, desto voller wurden die Straßen. Wir entschieden uns nach vielen Gesprächen mit den Lokals gegen die direkte Teilnahme an dem Fest, da dies mit stundenlangem Warten im Getümmel verbunden gewesen wäre. Stattdessen bewegten wir uns etwas abseits durch die Straßen.
Dabei sahen wir mehrfach Elefanten, die von ihren Mahouts in Richtung Fest geführt wurden. Prachtvoll geschmückte Elefanten spielen bei der Perahera eine zentrale Rolle. Wir hatten allerdings Bauchschmerzen beim Anblick dieser sozialen, hochintelligenten und sensiblen Riesen, die mit Ketten an Beinen und Hals durch die Straßen Richtung Fest trotteten. Für die Menschen vor Ort gehören die Elefanten selbstverständlich zum religiösen und kulturellen Bild dieser Prozession. Für uns war der Anblick dagegen schwer auszuhalten.
Am zweiten Nachmittag in Kandy kamen wir an einer Art Versammlungsort vorbei und wurden überraschenderweise dazugebeten. Zunächst wussten wir gar nicht, weshalb. Dann erklärte man uns, dass wir herzlich eingeladen seien, an einer kostenlosen Speisung teilzunehmen. Also saßen wir kurze Zeit später mit vielen anderen Menschen auf Plastikstühlen und genossen aromatisches Curry. Wir erfuhren, dass diese Tradition Dana genannt wird – das freiwillige Geben und Teilen. Gerade rund um buddhistische Feste spielt diese Geste eine wichtige Rolle. Für uns war das eine ganz besondere Erfahrung. Nicht nur, weil wir als europäische Reisende mit ganz anderen finanziellen Möglichkeiten unterwegs sind und kostenloses Essen für andere tatsächlich eine Notwendigkeit und damit einen ganz anderen Stellenwert haben kann. Sondern auch, weil wir dort plötzlich selbst zu einer kleinen Attraktion wurden. Menschen wollten Fotos mit uns machen, brachten uns Wasser und sorgten sogar dafür, dass wir Löffel bekamen. Traditionell wird in Sri Lanka Curry mit den Händen gegessen, was wir weniger gut perfektioniert haben. Wir saßen also mitten in einer großen Gemeinschaft, bekamen Essen geschenkt und wurden gleichzeitig beinahe wie Ehrengäste behandelt. Ein seltsames Gefühl. Aber eines, das uns mit großer Dankbarkeit erfüllte und das Teilen ohne Bedingungen noch einmal ganz neu in den Fokus rückte.
Grundsätzlich sind Städte für uns eher anstrengende Orte. Wir suchen unterwegs gerne die Ruhe der Natur. Auch Kandy bot uns glücklicherweise die Möglichkeit, in einer einfachen Ecolodge in einem grünen Bereich der Stadt zu übernachten. Viele Moskitos, üppige, urwaldartige Vegetation und wieder ein lieber, offener Gastgeber, der den Kindern vom Zimtbaum bis zu den Kakaopalmen die Pflanzen erklärte.
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Mit einem Fahrer fuhren wir zunächst zur nächstmöglichen Bahnstation und stiegen dort in den Zug Richtung Colombo Fort. Von Colombo Fort ging es mit einem weiteren Zug weiter Richtung Flughafen. Die dritte Klasse kann wirklich kräftezehrend sein, wenn die maximal vorstellbare Kapazität eines Waggons deutlich überschritten wird und man unwillkürlich und durchgehend an den letzten Saunagang erinnert wird.
Landschaftlich war dieser Teil der Zugfahrt auch eine ganz andere Nummer als die Strecke durch das Hochland. Während wir zuvor durch Teeplantagen und grüne Berglandschaften gefahren waren, zeigte sich rund um Colombo wieder eine deutlich andere Seite Sri Lankas. Wir sahen breite, erschreckend grüne und verschmutzte Flüsse, viel Müll entlang der Gleise und zahlreiche sehr provisorisch wirkende Häuser. Es war wieder genau dieser Kontrast, der uns während unserer Reise so oft beschäftigt hatte: auf der einen Seite die unglaubliche Schönheit dieses Landes, auf der anderen Seite die sichtbaren Probleme.
Und dann wartete zum Abschluss unserer Sri-Lanka-Reise noch ein Tier auf uns, das wir bis dahin tatsächlich noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Es war bereits dunkel, wir stiegen aus dem Zug und wollten gerade einen Fahrer Richtung Flughafen organisieren, als Neo plötzlich aufschrie. Direkt neben seinem Schuh hatte er einen großen, kräftig gebauten Skorpion entdeckt, der drohend seinen Stachel hob. Wir nahmen Abstand, betrachteten das Tier und erholten uns gemeinsam von dem Schreck.
In Sri Lanka gibt es zahlreiche Skorpionarten. Dieser typische, große, schwarze Skorpion gehört zu den großen Waldskorpionen. Diese Tiere können eine stattliche Größe erreichen und sehen wesentlich gefährlicher aus, als sie für den Menschen tatsächlich sind. Ihr Stich kann sehr schmerzhaft sein und zu lokalen Schwellungen führen. Die großen, schwarzen Waldskorpione gelten jedoch im Allgemeinen nicht als Arten, die für schwere oder tödliche Vergiftungen bekannt sind. Eine medizinisch deutlich ernstere Gefahr stellt in Sri Lanka insbesondere der kleinere rote Skorpion Hottentotta tamulus dar. Wir waren jedenfalls heilfroh, dass Neo das Tier rechtzeitig entdeckt hatte. Und ein Gutes hatte der Schreck dann doch: Trotz des langen und beschwerlichen Reisetages waren wir nun schlagartig alle wieder hellwach. Nach Mitternacht bestiegen wir unser Flugzeug nach Thailand.
Vier Wochen Sri Lanka lagen hinter uns. Was bleibt, sind unglaublich viele schöne Erinnerungen, besondere Begegnungen und vor allem eine große Dankbarkeit für die Gastfreundschaft, die uns auf dieser Reise immer wieder entgegengebracht wurde.